
Handre, mein Gastgeber, hatte mir schon vor ein paar Tagen, die Nummer einer deutschen Freundin gegeben. Seither hatten wir hin und her geschrieben und heute trafen wir das erste Mal persönlich aufeinander. Sie wohnt nur die Straße nach unten. Nach einem kurzen Kennenlernen trafen 2 weitere Deutsche, Matti und Anna, auf uns und gemeinsam fuhren wir zum Startpunkt unserer heutigen Wanderung. Eigentlich wollte ich sie allein wandern. Mir haben aber mehrere Leute gesagt, ich soll es nicht tun. Als dann Sina meinte, dass sie planen hoch zu gehen, hatte ich Glück, eine Truppe gefunden zu haben. Der Wanderweg ist wohl recht wenig begangen und gilt daher eher als gefährlich. Nicht wegen Wanderunfällen, sondern wegen Überfällen. Direkt vorweg, heute war alles entspannt und ruhig. Wir gehen am Fuße des Tafelbergs los und gewinnen direkt mit den ersten Metern an Höhe. Der Weg windet sich zickzackförmig auf rotem Gestein nach oben. Links und rechts sind alle Büsche verkohlt. Im März hat es hier gebrannt. Noch ein Stück weiter nach oben und wir kommen über das Stück, wo es letzte Woche erst gebrannt hat. Aber die Natur ist schnell, sie erobert sich bereits schon jetzt wieder alles zurück. Sina und ich gehen quatschend voran. Wir versuchen unser Tempo zu dämmen, da Anna nicht so fit ist. Müssen aber trotzdem immer noch Pausen machen, die mir aber auch gelegen kommen, da die Sonne heute ordentlich knallt, wir also genug trinken sollten. Der Weg ist die gesamte Zeit steil, als wir aber den Tafelberg hinter uns lassen, ändert sich die Umgebung, es wird viel grüner und die Steine sind nun grau. Wir scheinen es nun nicht mehr weit zum Gipfel des “Devils Peak” zu haben. Doch der Eindruck trügt. Hinter jedem scheinbaren Gipfel lauert ein weiterer. Anna bleibt irgendwann bei ihrem auserkorenen Gipfel und wir anderen steigen noch weiter nach oben. Oben verfranzt sich das Wegesystem etwas, jeder geht den seiner Meinung nach richtigen Weg, am Ende klettern wir über die nicht mehr ganz miteinander verbundenen Felsen und treffen alle am Gipfel wieder aufeinander. Irgendwie habe ich immer noch das Gefühl ich sei noch nicht ganz oben, also wird auch noch die Markierung erklettert und Sina schießt das Foto des Tages. Bloß nicht nach unten schauen. Als ich wieder auf halbwegs sicherem Fels stehe, kann der Blick in die Ferne wandern. Heute ist nicht eine Wolke am Himmel, die Sicht ist extrem klar und reicht hunderte Kilometer weit. Die Sicht aufs Kap versperrt der in etwa gleich hohe Tafelberg, aber ansonsten kann man rundum schauen. Der Wind geht wieder ordentlich. Die Lippen schmecken nach Salz von der Anstrengung des Aufstiegs. Jetzt ist die wohlverdiente Gipfel-Pause angesagt. Ich suche ein windstilles sonniges Plätzchen und esse meine Snacks während ich die Aussicht genieße und Besuch von einem großen schwarzen und einem braun-gelb gestreiftem Gecko bekomme. Die anderen steigen schon mal ab und ich komme nach. Bei Anna sind alle Schäfchen wieder beisammen und wir kämpfen uns Stück für Stück die hohen Stufen nach unten. Sand auf glatt geschliffenem Stein mag kein Wanderer. Heute ist glaube ich jeder mindestens einmal ausgerutscht. Nach viel zu vielen Serpentinen sind wir irgendwann alle wieder unten. Wie die Sonne geknallt hat, merke ich erst jetzt. Ich habe 1,5 l getrunken, ohne auf Toilette zu müssen. Der Kopf tut leicht weh und Anna macht auch den Anschein, sie hätte einen Sonnenstich. Hoffentlich nicht. Wir verabschieden uns bis heute Abend und ruhen uns bis dahin alle im Bett oder auf der Couch aus. Kurz vor 8 Uhr treffen wir uns vor der Oper alle wieder. Der Stellenbosch Universitätschor, der zu einem der besten Chöre weltweit zählt, singt hier heute und ich darf es mir für 6 Euro 2 Stunden lang anhören. Vor mir sitzen definitiv Freunde eines Mitglieds, so wie sie ausrasten. Ich träume zurück und bin in Jena. Viel zu lange konnte ich kein Psycho-Chor-Konzert mehr ansehen. Alles ist so gleich. Mir kommen die Tränen, ich kann nicht so ganz glauben, dass ich gerade in Kapstadt bin. Die Liederwahl überrascht. Nach dem deutschen Lied Kyrie, Coldplay und Mumford&Sons, wird auch ein slovakisches und lettischen Lied gespielt. Es wird wieder wie schon bei meinem letzten Psycho-Chor-Konzert auf die Situation in der Ukraine hingewiesen. Die Lieder die sich erst noch kirchlich angehört haben, spiegeln jetzt Krieg wieder und die Sehnsucht nach geliebten Menschen, die man nie wieder sehen wird. Wir können leider in diesem Moment gegen die Situation nichts tun. Das Einzige ,was wir machen können ist die Grausamkeit für einen Augenblick zu vergessen und wie geht es besser, wenn nicht mit dem Raindance von Hans Zimmer.
You are free, you are unique. You deserve all the most beautiful things you can imagine. I love that you enjoy your life with such intensity and passion for things and people. You love with your heart, and it shows. A loyal follower from Rosario, Argentina.