Im Land der Sonne

Das erste Mal auf meiner Reise bin ich heute aufgewacht und draußen war exakt die gleiche Temperatur wie im Auto, sehr angenehm also. Als dann noch Vogelgezwitscher und das Tropfen der vom Nebel nassen Blätter hinzu kam, war ich vollends zufrieden. Ich habe ja im Nationalpark Lomas de Lachay geschlafen, also musste ich hier erstmal wieder heraus fahren. Als ich dann zum Eingang kam und 2 verschlossenen Tore sah, ahnte ich nichts Gutes. Bei näherem Hinsehen jedoch stellte sich heraus, dass sie nicht verschlossen waren. Mein Glück. Dann brachte mich die Panamericana Route durch wieder einmal viel zu dichten Nebel etwas nordwärts und sowie ich in ein anderes Tal abbog, löste sich dieser in Wohlgefallen auf. Ich bin auf dem Grund und Boden der “Tierra del Sol”, im Land der Sonne, da kann man schon mal mit ein wenig Sonne rechnen. Und tatsächlich gab sie heute alles. Nicht nur ich genieße nach den letzten Schlechtwettertagen endlich mal wieder die Sonne, sondern auch ein prächtiger Pfau auf einem Traktor. Chilli’s färben die Berge in unterschiedliche Rottöne. Von weitem schön anzusehen, als ich es aber genauer zu Gesicht bekam, lag dazwischen ein Haufen Müll. Die Arbeiter breiten die Chillis zum Trocknen aus und von ihnen und der Hauptverkehrsstraße, die sich teilweise keine 2 Meter entfernt befindet, landen Plastikflaschen, kaputte Autoreifen, Taschentücher & Co. mittendrin. Ich habe mir die Frage gestellt, ob wir Plastik in unserem Chillipulver haben oder ob jede Chilli nach dem Trocknungsprozess wieder seperat aufgelesen wird. Naja egal. Wenn es nicht Chillis sind, die hier angebaut werden, so sind es Wassermelonen, Bananen, Papayas, Chirimoya oder der typische peruanische Mais, den es zu jeder Mahlzeit als Snack oder Garnitur dazu gibt. Peruanischer Mais ist im Korn viel größer, kann angeröstet werden und wird nicht zu Popcorn. Ein wenig Salz dazu und man hat einen perfekten Snack. Ab jetzt kämpfe ich mich wieder die Berge hinauf. Von 188 Höhenmetern auf 3800. Ein paar Mal haut es mich ordentlich in riesige Schlaglöcher hinein. Sie sind so groß, dass ein paar Männer darin ihren Business gefunden haben. Sie schaufeln Dreck vom Straßenrand in die Löcher und jedes Mal, wenn ein Auto an ihnen vorüber fährt, man bemerke sie arbeiten mitten auf der Straße ohne jegliche Absperrung, schwingen sie ihren Helm und wollen Trinkgeld von den Fahrern haben. Meine Reifen halten gottseidank, auch wenn ich ein paar Mal besorgt nachgeschaut habe. Und dann werde ich herangewunken. Eine Familie ist mit ihrem Käfer liegengeblieben. Ich steige aus und bin froh, dass es mich das erste Mal nicht trifft und ich endlich auch mal helfen kann. Gottseidank haben sie ein Ersatzrad mit. Ich habe den Wagenheber und meinen Kompressor für den komplett leeren Reifen. Als alles repariert ist, verabschieden wir uns kurz, aber herzlich und jeder tritt wieder seine Reise an. So langsam habe ich richtig Hunger. Da das Essen in Peru so unglaublich lecker und günstig ist, gönne ich mir im Gegensatz zu den anderen bisherigen Ländern ein Menü. Überall stehen die Schilder draußen, aber ich kann mich nur schwer entscheiden. Ich will nicht die einzige sein. Es sind keine wirklichen Restaurants. Man fühlt sich eher, als säße man auf dem nicht vorhandenen Bordstein vor dem Haus und die Oma kocht für einen. Der Opi bedient mit Herzblut. Für 3 Euro habe ich heute eine riesen Schüssel Hühnersuppe bekommen. Den Hauptgang kann man dann meist zwischen 5-10 verschiedenen Gerichten auswählen. Und ein selbstgemachtes Erfrischungsgetränk gab es auch noch dazu, 800 ml Chicha. Voll gefuttert fahre ich herunter an den Fluss und haue mich kurz aufs Ohr. Ein Schäfer kommt vorbei und schaut nach mir, ob alles in Ordnung ist. Die Leute sind immer wieder verblüfft, wenn sie mitbekommen, dass ich allein reise. Danach geht es nur noch nach Huaraz und ich suche mir abermals am Fluss mein Plätzchen für die heutige Nacht. Hoffen wir mal, dass ich diesmal nicht höhenkrank werde. Mein Höhenmesser im Auto zeigt 3300 hm an.

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