Amazonas Tag 1 – Auf Tuchfühlung

Flussdelfine im Rio Negro

Die Nacht habe ich heute am Flughafen verbracht, da ich erst um 3 Uhr gelandet bin und Punkt 8 abgeholt wurde. Dann wurden noch 3 andere in ihren Hotels abgeholt und zusammen düsten wir zum Rio Negro. Ab dort ging es dann noch einer halbe Stunde mit einem Knatterboot weiter zu unserer Unterkunft Anaconda Amazonas Lodge auf einer Insel mitten im riesigen Fluss, der teilweise wirkt, wie ein Meer. Die Fahrt hierhin war meiner Meinung nach schon eine Exkursion für sich. Da es gerade Ende der Regenzeit ist, ist der Fluss bis zu 20 m höher und an jeder Seite bis zu 200 m breiter. Dementsprechend steht hier einiges unter Wasser. Nicht nur Bäume, sondern auch Häuser und Strommasten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den anderen, die schon einige Tage hier sind, fahren wir zu einem schwimmenden Haus. Ich gehe zu zweit mit Paule aus dem Libanon ins Wasser. Wir bekommen eine Schwimmweste übergezogen und wollen uns direkt abkühlen, aber das Wasser ist genauso warm wie die Außentemperatur mit 36°C. Uns wurde gesagt, da wo die Flussdelfine sind, sind keine Krokodile, also rein da. Mit Fisch und einer zappelnden Hand an der Wasseroberfläche locken wir diefrei lebenden Delfine an. Und es klappt wirklich. Leider darf ich es selbst nicht machen, da alles hier streng geregelt ist, um die Tiere zu schützen. Was wir allerdings machen dürfen: Sie streicheln, nur nicht an ihrer Stirn, da sie dort ein Superinstrument haben, dass wie ein Radar funktioniert und sie verärgert wären, wenn wir diese nützliche Eigenschaft somit ausschalten würden. Auch sind wir beiden die Letzten am heutigen Tage, die mit den rosa Torpedos Spaß haben dürfen. Während ich schon das ein oder andere Mal Kontakt hergestellt habe, denkt Paule als sie mein Bein spürt, es sei ein Delfin. Dass es mein Bein ist, überhört sie gekonnt und fängt an, mich noch mehr zu streicheln. Bevor sie zu meinem Hintern kommt, sage ich es nochmal und muss extrem anfangen zu lachen. Zusammen bekommen wir uns 5 Minuten nicht mehr ein. Als unsere 15 Minuten mit den Tieren abgelaufen sind, geht es wieder aus dem Wasser und wir fahren durch die Mangroven zu einem Strand am Rio Negro. Das Gute daran, wenn Bäume im Wasser stehen ist, man kann auf sie klettern und von oben herein springen. Auch jetzt müssen wir wieder vertrauen, dass es hier keine Krokodile gibt. Als die Sonne beginnt sich dem Horizont zu nähern, fahren wir mit den Booten heraus bzw. In die Mitte, um den Sonnenuntergang hier zu genießen. Wieder dürfen wir ins Wasser. Langsam bin ich etwas verwirrt und Frage nach, wie er sich sicher sein kann, dass es hier keine Alligatoren gibt. Zur Antwort bekomme ich: Es sind die faulsten Tiere und sind nicht weiter als 20 m von der Wasserkante entfernt. Gut dass wir zuvor direkt an der Küste waren. Eine Bootstour zurück zur Unterkunft, wo es nur noch essen geht und ich mich noch etwas in der Hängematte ausruhen. Alle anderen sind bereits in ihren Hütten, als mit plötzlich ein helles Licht entgegen kommt. Es ist Josef, unser Guide. Ich sehe, dass er irgendetwas in der Hand hält. Als ich erkenne, was es ist, schreie ich einmal: Leute kommt raus, Josef hat einen Baby, Alligator gefangen. Seine ersten Worte zu mir sind etwas außer Atem: Als ich den kleinen geschnappt habe, hat er angefangen zu weinen und ich habe gesehen, wie die Mutter schnell auf mich Zugeschwimmen kam, dann bin ich aber ganz flink davon gerannt, dass ich euch den Kleinen zeigen kann. Er zeigt uns, wie wir ihn halten sollen, um ihm nicht weh zu tun und erklärt uns ein wenig über das Leben in einer Alligatorenfamilie. Er hat uns heute sowieso schon so viel Wissen vermittelt, was die Erlebnisse nur noch besonderer macht.

6 Wochen alter Baby Alligator

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