{"id":960,"date":"2024-04-24T06:41:31","date_gmt":"2024-04-24T04:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/?p=960"},"modified":"2024-04-24T06:41:56","modified_gmt":"2024-04-24T04:41:56","slug":"andacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/2024\/04\/24\/andacht\/","title":{"rendered":"Andacht"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pxl_20240423_2052017513330990430621095584-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-959\" srcset=\"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pxl_20240423_2052017513330990430621095584-768x1024.jpg 768w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pxl_20240423_2052017513330990430621095584-225x300.jpg 225w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pxl_20240423_2052017513330990430621095584-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pxl_20240423_2052017513330990430621095584-600x800.jpg 600w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/pxl_20240423_2052017513330990430621095584.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Mittag (bis dahin hatte ich wieder aller Hand Autokran zu erledigen) ging es raus an die frische Luft. Mit der Sprachschule fuhr ich zum &#8220;Cementerio General de Chile&#8221;, dem Hauptfriedhof von Chile. Ich war ja nun schon auf einigeren gr\u00f6\u00dferen Friedh\u00f6fen mit Mausoleen, aber dieser war wirklich sch\u00f6ner und einzigartiger als alle anderen. Wir begannen unsere Tour am Haupteingang. Zu Anfang riesige Mausoleen und je weiter man von der Hauptstra\u00dfe abkam immer kleiner werdende Gr\u00e4ber. Was man deutlich sehen konnte, was die Menschen jeweils f\u00fcr einen Eindruck hinterlassen haben. Die Gr\u00e4ber von Personen, die anderer Menschen Tod und Leid verursacht haben, waren teilweise zerst\u00f6rt, mit Graffiti\/Schimpfworten beschmiert und werden wohl regelm\u00e4\u00dfig auch in Brand gesetzt. Gr\u00e4ber von Personen, die stets liberal waren und f\u00fcr Chiles Freiheit und Rechte gek\u00e4mpft haben, waren reich verziert. Herausragend war hier das Mausoleum von Jose Manuel Balmaceda Fern\u00e1ndez, dem Pr\u00e4sidenten von Chile von 1886-1891. Die T\u00fcr war mit Blumen verziert und innen lagen einige Zettel. Mit aller W\u00fcrde und Entschuldigung nahmen wir uns einen Zettel und lasen ihn vor. Der Brief war von einer Krankenschwester. Sie bedanke sich bei dem Pr\u00e4sidenten, dass sie alle Tests bestanden habe und nun auch Gl\u00fcck und Lebensfreude zu den Menschen bringen k\u00f6nne, selbst wenn es am Lebensende sein w\u00fcrde. Mit Beeindrucken und Bedacht legten wir den Zettel vorsichtig zur\u00fcck und setzten unsere Tour fort. In Chile sind die Menschen sehr gl\u00e4ubig. Sie glauben allerdings nicht sehr an die Institution Kirche sondern vielmehr an Jesus selbst. Zentral im Friedhof gelegen, befand sich also ein Kreuz. Davor standen Kerzen, welche angez\u00fcndet werden, um Hilfe, Kraft, St\u00e4rke, Beistand oder was auch immer zu erbitten oder sich zu w\u00fcnschen. Am Kreuz selbst bildeten Opfergaben in Form Blumen, Bildern, signierten Tafeln bereits einen Berg, die f\u00fcr erf\u00fcllte Ziele, Vorstellungen, W\u00fcnsche danken sollten. Wirklich beeindruckend. Um die Ecke stand ein riesiges Mausoleum. So riesig, dass es das einzige Mausoleum der Welt ist, welches einen Fahrstuhl besitzt. Wirklich surreal. Als wir uns immer mehr entfernten, kamen wir an noch leeren Gr\u00e4bern vorbei, die jedoch bereits Familiennamen trugen und quasi darauf warteten geschlossen zu werden. Noch viel absurder. F\u00fcr einen Chilenen ist es jedoch etwas ganz besonderes hier begraben zu werden, sei es noch so teuer. Noch weiter entfernt, verschwanden die Mausoleen und es gab &#8220;nur noch&#8221; normale Gr\u00e4ber mit einfachen Kreuzen. Was jedoch nicht einfach war, war der Schmuck. Das gesamte Feld sah aus wie ein einziger Flohmarkt, kunterbunt, viel zu viele Details, dass das Auge nicht einfachen konnte. Das eine Grab war weihnachtlich geschm\u00fcckt, w\u00e4hrend das n\u00e4chste mit Luftballons und allem Schnickschnack Geburtstag feierte. Pavillons spendeten Schatten und hier und da stand eine Gartenbank. Man bemerke, Platz gab es eigentlich keinen daf\u00fcr. Und dann sa\u00df da tats\u00e4chlich eine Familie, die gefeiert hat. So war die gesamte Familie beisammen. Es ist wirklich interessant, wie unterschiedlich Menschen mit dem Tod umgehen. Man sollte immer froh sein, mit dem was man hatte, auch wenn Verlust meistens sehr weh tut. Noch einige Schritte weiter und wir kamen zu einem Feld, wo Wehrdienstleistende in Fuhren abgeladen wurden und ihre Namen nicht mehr zugeordnet werden konnten. Hier sind die Kreuze unbeschriftet und nicht, wie die sonstigen Kreuze wei\u00df, sondern braun. Aber auch hier sind es hunderte und die meisten zwischen 16 und 30 Jahre alt. Zum Schluss kamen wir noch an einem Denkmal vorbei, welches jegliche Namen trug, denen man keine Verwandten zuordnen konnte. Da es hier \u00fcblich ist, sich mit der Familie ein Grab zu teilen, haben all jene hier ein gemeinsames Grab gefunden, die sonst keinen mehr hatten, um so doch wieder jemanden zu haben. Eine sch\u00f6ne Geste, wie ich finde. Ich wei\u00df nicht, ob es der gro\u00dfe Friedhof war der mich m\u00fcde machte und die vielen Kilometer, die wir gelaufen sind oder dass sich der Tag langsam dem Ende neigte, sich Melancholie \u00fcber uns alle legte und die gesamte Stimmung so eine ganz besondere war, aber ein St\u00fcck weit habe ich heute wieder mehr verstanden, dass der Tod, ebenso wie die Geburt, die Lebensfreude oder auch einmal die Traurigkeit einfach ein Teil unseres Leben, also auch von uns ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Mittag (bis dahin hatte ich wieder aller Hand Autokran zu erledigen) ging es raus an die frische Luft. 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