{"id":2796,"date":"2025-05-02T23:44:50","date_gmt":"2025-05-02T21:44:50","guid":{"rendered":"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/?p=2796"},"modified":"2026-01-12T23:04:00","modified_gmt":"2026-01-12T22:04:00","slug":"aus-schwarz-weis-wird-bunt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/2025\/05\/02\/aus-schwarz-weis-wird-bunt\/","title":{"rendered":"Aus schwarz-wei\u00df wird bunt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"538\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-538x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2795\" srcset=\"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-538x1024.jpg 538w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-158x300.jpg 158w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-768x1462.jpg 768w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-807x1536.jpg 807w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-1076x2048.jpg 1076w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-600x1142.jpg 600w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PXL_20250502_1252462382-scaled.jpg 1345w\" sizes=\"auto, (max-width: 538px) 100vw, 538px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>2 Optionen standen heute zur Verf\u00fcgung. Option 1: Wanderung auf den Tafelberg, Option 2: Teilnahme an einer Free-walking-Tour durch das Stadtzentrum von Kapstadt. Noch gestern Abend war ich voller Tatendrang auf den Berg zu gehen, Option 2 war eigentlich nur meine Schlechtwetteralternative, aber als ich heute Morgen aufwachte, f\u00fchlte ich mich nicht nach einer Wanderung, was ja eher selten vorkommt bei mir. Also ging es nach dem Fr\u00fchst\u00fcck in die Stadt zur historischen Stadtf\u00fchrung. Man sollte ja nicht nur das Land und die Leute genie\u00dfen, sondern auch Ahnung haben, warum alles so ist, wie es ist. Unser Spaziergang fing bei dem prunkvollen Rathaus an, an dessen Eingang eine Bronzestatue von Nelson Mandela, dem ersten schwarzen s\u00fcdafrikanischen Presidenten, steht. Wir lernen ein wenig zur Geschichte. Alles das, was ich heute tags\u00fcber lernen durfte, konnte ich am Ende nochmal vertiefen, klarstellen oder auffrischen, als mir Handr\u00e9, mein Gastgeber, einen Kurzausflug mit Karte in die Geschichte S\u00fcdafrikas und Afrikas gab. Die ersten Menschen, die in Kapstadt ankamen, waren tats\u00e4chlich Wei\u00dfe, Portugiesen, dann Niederl\u00e4nder, Franzosen, Engl\u00e4nder und sp\u00e4ter auch Deutsche. Schwarze St\u00e4mme lebten zu der Zeit nur im Osten von S\u00fcdafrika. Mit dem Sklavenhandel von Malaysia, Madagaskar und Ostafrika kamen die ersten Schwarzen nach Kapstadt und wurden zun\u00e4chst mit neuen Namen versehen. Entweder mit dem Monatsnamen, an dem sie ankamen, an dem sie geboren wurden oder wo sie herkamen. Sie wurden alle in die Slave-Lodge gesteckt, die heute Teil des Parlaments ist. 9000 Menschen lebten hier in einem Haus, bis sie kategorisiert nach Alter, Vorbildung und K\u00f6nnen (Handwerkst\u00e4tigkeiten) am Slave-Tree angebunden, den Wei\u00dfen zum Verkauf angeboten wurden.\u00a0 Der Baum wurde gef\u00e4llt, heute erinnert nur noch ein Denkmal daran. Unvorstellbar, wie gro\u00df der Jubel gewesen sein muss, als Nelson Mandela es als President geschafft hatte. Frisch aus dem Gef\u00e4ngnis, wegen irgendwelchen irrsinnigen Rechten verhaftet, hatte er es durch die Kraft der Massen aus aller Welt geschafft. Der Gleichberechtigung war die erste T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Bis dahin gab es B\u00e4nke, auf denen die Aufschrift &#8220;white people only&#8221; &#8211; &#8220;nur Wei\u00dfe&#8221; oder &#8220;non-white people only&#8221; &#8211; &#8220;nur Nicht-Wei\u00dfe&#8221; darauf hinwie\u00df, wer darauf Platz nehmen durfte und wer nicht. Noch heute stehen einige dieser B\u00e4nke in der Stadt und erinnern daran. Einige Touristen setzen sich stolz auf die &#8220;White people only&#8221;-Bank und posieren fr\u00f6hliche Urlaubsfotos, w\u00e4hrend ich daf\u00fcr im Boden versinken k\u00f6nnte. Niemals w\u00fcrde ich mich freiwillig auf eine solcher B\u00e4nke setzen und dann auch noch ein gl\u00fcckliches Gesicht aufsetzen. Im Gegenteil, ich habe den gesamten Tag G\u00e4nsehaut und kann es einfach nicht fassen. Wei\u00dfe waren Menschen, Schwarze waren nicht mehr Wert als ihr Verkaufswert. Wie viel das war, wollte man mir heute nicht verraten. Ist aber vielleicht auch besser so. Was bald ein Problem wurde war die Klassifizierung, ob Wei\u00df oder Nicht-wei\u00df, da es bald Farbige gab, also eine Vermischung der Rassen. Das Gericht entschied nach Bleistift-Test. Es wurde ein Bleistift ins Haar gesteckt. Fiel dieser nach einer Kopfbewegung heraus, galt man als Wei\u00df, blieb er stecken, galt man als Nicht-Wei\u00df. Ganze Familien wurden so auseinander gerissen,\u00a0 da die Wei\u00dfen nicht mit den Schwarzen zusammen sein durften. Als wei\u00df klassifizierte Kinder wurden ihren Eltern entrissen und neuen &#8220;wei\u00dfen&#8221; Eltern zugeteilt. V\u00f6llig absurd. Wir liefen heute an all den Orten vorbei, an denen all dies geschah. Wo wir heute tats\u00e4chlich auch vorbeikamen, war die Berliner Mauer. Tats\u00e4chlich, das ist kein Scherz. Ein St\u00fcck der Berliner Mauer steht in Kapstadt. Symbolisch, da die Geschichte im Grunde die selbe war, geteilt und wiedervereint. Nach einer Mittagspause ging es zur zweiten Free-walking-Tour nach Bo-Kaap, einem besonderen Stadtviertel Kapstadts. Symbolisch an die Geschichte anschlie\u00dfend, mit der Gleichberechtigung der Schwarzen durften sie nun auch H\u00e4user kaufen und nachdem das Gesetz aufgehoben wurde, dass alle H\u00e4user wei\u00df sein m\u00fcssten, wurde ein jedes Haus in einer anderen Farbe angestrichen. Als Zeichen der Freiheit, als Zeichen der Gleichberechtigung. Aus schwarz-wei\u00df wurde bunt. Denn in bunt ist doch alles viel sch\u00f6ner. Spreche ich hier noch von H\u00e4usern? Es bleibt einem jeden selbst \u00fcberlassen. Bo-Kaap war also die Gegend, in der die ersten Schwarzen sich H\u00e4user kauften und aus diesem Grund ist diese Nachbarschaft noch heute sehr sch\u00f6n anzusehen. Wirklich ein jedes Haus tr\u00e4gt eine andere Farbe. Wir schlendern durch die Gassen, schie\u00dfen Fotos und ich lande meinen heutigen Schnappschuss des Tages. Fotos des Rathauses, des Parlaments, der Denkm\u00e4ler oder der bunten Stra\u00dfen in Bo-Kaap kann sich jeder im Internet anschauen, aber ein gutes einzigartiges Stra\u00dfenfoto zu landen, schafft man nicht immer. Ich bin stolz darauf, die wirkliche, ungesehene Welt einzufangen und Tag f\u00fcr Tag teilen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2 Optionen standen heute zur Verf\u00fcgung. 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