{"id":2653,"date":"2025-04-07T04:45:37","date_gmt":"2025-04-07T02:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/?p=2653"},"modified":"2025-04-07T04:46:00","modified_gmt":"2025-04-07T02:46:00","slug":"auf-den-spuren-der-jesuiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/2025\/04\/07\/auf-den-spuren-der-jesuiten\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren der Jesuiten"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"816\" src=\"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-1024x816.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2652\" srcset=\"https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-1024x816.jpg 1024w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-300x239.jpg 300w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-768x612.jpg 768w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-1536x1224.jpg 1536w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-2048x1632.jpg 2048w, https:\/\/lets-world.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/PXL_20250406_1454414232-600x478.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit den spanisch und portugiesischen Eroberern kamen nach S\u00fcdamerika im 17. Jahrhundert nat\u00fcrlich auch Jesuiten, Priester, gebildete M\u00e4nner, die ihre Lebensweise, ihr Wissen und ihre Religion verbreiten wollten. Angekommen in Asunci\u00f3n (Paraguay) breiteten sie sich aus, sprachen zu den Ureinwohnern, den Guaran\u00ed, um sie zu \u00fcberzeugen, in Jesuiten-Missionen zusammen zu leben. Da Kriege und Sklaverei auf der Tagesordnung standen, gingen viele Guaran\u00ed (insgesamt etwa 140.000) in diese Missionen und die Missionen selbst wurden nach S\u00fcden verdr\u00e4ngt, in das Gebiet, in dem wir uns aktuell befinden, Misiones, woher nat\u00fcrlich auch der Name r\u00fchrt. Ist man in Misiones unterwegs, muss man also nat\u00fcrlich auch mal einen Geschichtstag einlegen und eine der 30 Jesuiten-Missionen besuchen, was heute auf unserem Plan stand. Wir gingen also in die Ruinas San Ignacio Min\u00ed und bekamen zu Eintritt eine gratis F\u00fchrung dazu. Das ganze sogar auf super gutem Englisch. Wir fragten unserer Dame also L\u00f6cher in den Bauch und lernten wirklich viel. Jesuiten-Missionen wurden prinzipiell immer nach dem etwa gleichen Plan und in Flussn\u00e4he gebaut. Einerseits liefert der Fluss Steine zum Bau und ist eine ausgezeichnete schnelle Transportm\u00f6glichkeit, um zum Handel zu reisen. Die Guaran\u00ed wurden also aus ihrem Dschungelleben in H\u00e4user gesteckt und jede Familie separiert in einem Zimmer untergebracht, was f\u00fcr die Guaran\u00ed eines der gr\u00f6\u00dften Einverst\u00e4ndnisse war, denn eigentlich lebten sie polygam, was sie von nun an nicht mehr durften. In San Ignacio lebten 4500 Guaran\u00ed mit 2 Jesuiten zusammen. Die Jungen lernten in der Schule lesen und schreiben, es gab jegliche Berufe in einer Mission, auf dem Platz kam man nicht nur zusammen, sondern lernte auch sich zu verteidigen und zu k\u00e4mpfen, jeder Familie hatte ihren eigenen Garten, es gab aber auch einen Gemeinschaftsgarten, um G\u00fcter f\u00fcr das Allgemeinwohl damit zu beschaffen und nat\u00fcrlich war Dreh- und Angel-Punkt des Ganzen die Kirche. San Ignacio ist eine der best erhaltensten Missionen. Das Foto des Tages ist heute vor dem ehemaligen Kircheneingang aufgenommen wurden. Nachdem die Jesuiten im 19. Jahrhundert zur\u00fcck nach Spanien geordert wurden, zerfielen nach und nach die sozialen Strukturen, die Guaran\u00ed verlie\u00dfen die Missionen und damit zerfielen nach und nach auch die Bauwerke. Mit der Besiedlung von San Ignacio vor etwa 200 Jahren verschwanden die Steine der Mission in Wohnh\u00e4usern und die Natur \u00fcbernahm dann den Rest. Heute ist es UNESCO-Weltkulturerbe und wir froh, dass es nun gesch\u00fctzt und restauriert wird. Nach 2 Stunden auf dem Gel\u00e4nde mit eigenem Rathaus, Friedhof, Drainagesystem und Feldanlagen waren wir mit unserer F\u00fchrung fertig und verlie\u00dfen das Gel\u00e4nde. Schon wieder hungrig machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem, was in Argentinien auf einem Dorf an einem Sonntag in der Siesta-Zeit absolut unm\u00f6glich ist. Wir setzten uns also in den Park und a\u00dfen all unsere Snacks, die wir noch hatten. Dann konnte es weiter gehen. Im Ticket au\u00dferdem enthalten, ist der Eintritt zu 3 weiteren Missionen. An der Hauptstra\u00dfe wurde also der Daumen heraus gehalten und ein LKW aus Brasilien hielt an. Ich machte die T\u00fcr auf und mir kam eine Wolke Coca-Geruch entgegen. Es waren zwar schon 2 Leute drin, aber wir durften trotzdem noch mit. Wir stiegen ein, Anna setze sich mit Schwung aus Versehen erstmal auf den Scho\u00df des Beifahrers und machte ihn etwas nerv\u00f6s. Die Fahrt war kurz aber witzig, wir verstanden kaum ein Wort, da ihre Backen so sehr mit Coca gef\u00fcllt waren und verabschiedeten uns 20 km sp\u00e4ter in Santa Ana wieder. Schon vom Eingang an ein ganz anderes Gef\u00fchl, bekamen wir doch erstmal wieder ein paar englische Erkl\u00e4rungen zum Gel\u00e4nde und der Geschichte. Dann w\u00fcrden wir auf uns allein gestellt und durften die Mission unsicher machen. Da San Ignacio die besterhaltenste und damit meist besuchteste Mission ist, waren wir hier zun\u00e4chst erstmal allein. Hier werden auch keine Reparaturen vorgenommen, sondern es wird nur konserviert, was noch da ist. Wir schlenderten also zwischen den Ruinen herum, lie\u00dfen unsere Rucks\u00e4cke liegen und genossen die Ruhe. Meine Frage: &#8220;Hast du Lust dich kurz ins Gras zu legen?&#8221;, beantworte Anna gottseidank prompt mit &#8220;Ja!&#8221; und sowie wir lagen kam nur noch: &#8220;So eine Siesta hat halt schon auch ihren Sinn.&#8221; und wir mussten lachen. Die Sonne und das Gras kitzelten in der Nase aber nach 5 Minuten liegen, f\u00fchlten wir uns schon viel besser und energetischer. Manchmal ist es auch einfach nur sch\u00f6n, einen Ort einmal richtig auf sich wirken zu lassen. Sich vorzustellen, wie das hier mal gewesen ist. In solchen Momenten bekomme ich gern mal G\u00e4nsehaut. Wir gingen noch etwas in ehemaligen Garten spazieren und waren am meisten von dem Friedhof beeindruckt, da dieser in San Ignacio nicht mehr erhalten war. Offene S\u00e4rge, kleine Mausoleen, B\u00e4ume die erst hinein und dann wieder hinaus wachsen. Szenen wie gestellt. Szenen, die das Auge nicht wirklich glauben wollte. H\u00e4tte mich dort jemand erschreckt, h\u00e4tte ich mich vermutlich direkt in einen der S\u00e4rge legen k\u00f6nnen. Gruselig und doch super spannend und interessant. Geschafft gingen wir vom Gel\u00e4nde und fanden einen Trampelpfad der in den Wald hineinf\u00fchrte. Abenteuerlustig wie wir beide sind, nahmen wir ihn nat\u00fcrlich. Nicht lange und ich entdeckte riesige K\u00e4fer an einem Baum. Sind die tot? Vorsichtig schauen wir mit einem Stock nach, denn sie sehen wirklich fies aus. Tats\u00e4chlich sind es nur noch die Chitinpanzer. Die lebendigen K\u00e4fer dazu m\u00fcssen also noch gr\u00f6\u00dfer sein, wenn sie aus ihrem Panzer herausgewachsen sind. Denen wollen wir lieber nicht begegnen. Weiter geht es, der Wald \u00f6ffnet sich, wir spazieren \u00fcber ein Feuchtgebiet mit Schilf und landen in einem Guarani-Dorf. Ich denke mir schon, dass die uns hier sicher nicht haben wollen. Wir sind schon fast durch, da werden wir entdeckt und angesprochen, dass das Privatgel\u00e4nde sei. Die Leute sind aber sehr nett und meinen wir k\u00f6nnen ruhig weitergehen, die Natur wird noch sch\u00f6n. Guaran\u00ed Leben noch heute ganz anders. F\u00fcr sie gibt es keinen Besitz, sie haben kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Werte. Wenn nicht gar alles geteilt wird, kann es schon mal sein, dass ein Motorrad gegen eine Flasche Whisky getauscht wird. Wir spazieren also durch die Mais-, Maniok- und Kartoffelfelder und kommen irgendwann wieder auf einer befestigten Stra\u00dfe heraus. An der Ruta 12 halten wir wieder den Daumen raus und werden im Laderaum eines Caddy&#8217;s, in dem ein Campingstuhl steht, auf den ich mich nat\u00fcrlich setze, zu unserer Unterkunft gebracht. Geschafft vom Tag falle ich ins Bett. Sp\u00e4ter treibt uns nur der Hunger nochmal raus und diesmal werden wir sogar f\u00fcndig. Nicht nur 1 Choripan, nein, 2 Choripanes f\u00fcr jeden von uns. Perfekter Abschluss eines lehrreichen Tages, denn auch das Gehirn braucht ab und zu Futter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den spanisch und portugiesischen Eroberern kamen nach S\u00fcdamerika im 17. Jahrhundert nat\u00fcrlich auch Jesuiten, Priester, gebildete M\u00e4nner, die ihre Lebensweise, ihr Wissen und ihre Religion verbreiten wollten. Angekommen in Asunci\u00f3n (Paraguay) breiteten sie sich aus, sprachen zu den Ureinwohnern, den Guaran\u00ed, um sie zu \u00fcberzeugen, in Jesuiten-Missionen zusammen zu leben. 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