
Es ist um 6. Ich hatte eine erstaunlich warme Nacht. Das Auto springt auch sofort an. Also fahre ich direkt 4 km weiter zum Startpunkt meiner kleinen Wanderung für heute, “Catarata Capua”. Von Weitem kann ich einem Wasserfall erspähen, aber scheinbar ist es nicht der, zu dem ich möchte, denn einige auf dem Trampelpfad gelegte Kakteen versperren mir den Weg und der andere Trampelpfad scheint frei. Also nehme ich diesen. Ich steige ab zu einem Flussbett und der Weg führt mich immer flussaufwärts in einer schmalen Schlucht entlang. Der Fluss ist eher ein Bach und ringsum ist es schön grün durch Schilf und Bambus. Als der Weg durch zuviel Bambus versperrt ist, wurde ein Minitunnel hereingeschnitten, also Kopf einziehen und durch geht’s. Die Schlucht wird immer schmaler bis kein Platz mehr für Grünzeug ist. Nur noch der Bach und naja, jetzt auch ich. Ich akzeptiere es, dass ich nun im Wasser weiter gehen muss. Die Temperaturen sind erträglich und ich weiß ja, dass trockene Socken im Auto auf mich warten. Das macht es leichter. Ein erster kleiner Wasserfall regnet als Naturdusche auf mich herab. Ich hoffe mal, das war es noch nicht und gehe weiter. Circa 1 km weiter kommt der nächste. Er ist nicht viel höher als der vorherige, führt aber mehr Wasser und fällt in 2 Stufen am Fels hinab. Hm, ist das der Wasserfall, der angepriesen wurde? Da ein Wanderweg nicht existiert und somit auch keine Beschilderung vorhanden ist, gehe ich einfach mal weiter. Manchmal tapse ich in ein Loch und muss etwas lachen, als ich plötzlich bis zum Knie im Wasser verschwinde. Ansonsten ist der Bach aber nur schuhtief, was sicher stellt, dass meine Füße definitiv eins mit dem Bach werden, aber mehr auch nicht. Einige große Steine und Felsbrocken versperren jetzt den Weg und es wird doch noch eine kleine Kraxeltour daraus. Um die Ecke und ich nehme das Rauschen eines größeren Wasserfalls wahr. Ein paar Schritte noch und ich bin am Ende der Schlucht und wow, dieser Wasserfall musste sich mal verdient werden. Es hat sich aber auch gelohnt. In etwa 40 m freiem Fall stürzt er herab. Die Felsen schießen für mich das heutige Foto des Tages. Da ich langsam Hunger bekomme, mache ich mich nach ein wenig Wasserspaß, ich bin jetzt einmal komplett nass, auch wieder auf den Rückweg. Währenddessen trocknen bis auf Strümpfe und Schuhe meine Klamotten. 2 Stunden später bin ich beim Ausgangspunkt angelangt und mir begegnen 3 Männer, die den Weg freischneiden wollen und erkundigen sich bei mir, wie ich es fand. Spitze, unglaublich! Außerdem kommt jetzt gerade eine Schulklasse an. Sie schwärmen auf die umliegenden Felder zur Feldarbeit aus. Ich suche mir mit meinem Auto einen schönen Aussichtspunkt auf die umliegenden Hügel und frühstücke in Ruhe. Als ich fertig bin geht’s auf die Straße. Die Landschaft verändert sich sehr schnell und die Berge sehen aus wie Sanddünen in der Sahara. Und ich mittendrin auf einer asphaltierten Straße. Es wird immer heißer und die kurvenreiche Strecke führt in ein Tal. Plötzlich ist alles grün. Hier muss ein Fluss sein und so ist es auch. Außerdem bekomme ich heute meine ersten Kaktusfelder zu Gesicht. Ich bin mir sicher, dass hier Kaktusfeigen abgebaut werden. Nebendran stehen Weinreben. Und dahinter sieht man die “Sanddünen”, die eigentliche Berge aus Sandstein sind. Ein unwirkliches Bild. Die Straße führt wieder aus dem Tal heraus, also genauso steil, wie es eben bergab ging, geht es jetzt wieder bergauf. Das ganze Spiel machen wir ein paar mal bis ich schließlich am Meer ankomme. Gestern noch auf 4500 hm bin ich jetzt wieder auf Meereshöhe angekommen. Naja nicht ganz. Am Liebsten würde ich hereinspringen, aber ich finde einfach keinen Zugang. Wir befinden uns an Steilklippen. Was es hier aber gibt, sind unzählige aneinander gereihte Imbisse und Restaurants. Ich bekomme also so langsam Hunger vom Anblick und dem Geruch, der immer wieder durch das offene Fenster zu mir ins Auto strömt. Ich beschließe mir heute mal eine gute Mahlzeit zu gönnen, weiß aber nicht so recht, wo. Zu groß ist die Auswahl. Als ich etliche LKW am Straßenrand geparkt sehe, halte auch ich. Das ist immer ein gutes Zeichen. Gehe dort hin, wo die meisten Einheimischen hingehen. Und auch die Trucker wissen immer, wo es schmeckt. Also gehe ich hinein und bestelle eine Ceviche und eine Limo. Ich bekomme sofort eine riesige Schüssel Suppe. Ein Fischkopf lunst mich an. Ich dachte zwar Ceviche sei was anderes, aber die Fischsuppe schmeckt auch hervorragend. Als ich noch nicht ganz fertig, aber schon ordentlich gesättigt bin, kommt meine Ceviche. Wow, was ein Anblick, das sieht nicht nur klasse aus, das schmeckt auch super. Nur, das soll ich jetzt noch essen? Kann ich es einpacken lassen und mitnehmen? Geht leider nicht. Naja, dann heißt es jetzt Reinhauen. Aber ganz schaffe ich es nicht. Auch der eine Liter Limonade füllt meinen Magen ordentlich, aber die Flüssigkeit habe ich definitiv gebraucht. Ich bin extrem froh über meine Auswahl und falle im Fresskoma wieder in den Autositz. Ab jetzt geht es immer entlang der Küste. Die Küstenstraße ist aber auch eine Bergstraße. Was für eine Kombination. Eine gefährliche vor allem. Die Straßenschilder wie “Zone mit gefährlichen Kurven”, “Gib acht auf dein Leben”, “Gib viel acht”, “Zone mit gefährlichem Steinschlag”, aber auch die vielen Kreuze am Wegrand weisen mich alle paar Meter darauf hin, dass ich die Augen besser auf der Straße behalten und nicht die dauerhaft traumhafte Aussicht auf Meer und Klippen genießen sollte. Da die Sonne sich bereits senkt, muss ich nun wirklich mal einen Schlafplatz finden. Ab und zu sehe ich einen Strand unterhalb der Straße, aber es gibt absolut kein Herankommen. Und dann endlich, die Straße ist etwas tiefer und ich finde einen Weg zum Meer. Ein paar Einheimische sammeln die letzten Algen in riesigen Büscheln zusammen und sind auch schon weg. Einen Strand suche ich hier zwar vergebens, auch wenn er “Playa las Lamas” heißt, aber ich sitze auf einem Fels und schaue raus aufs Meer, während das Einzige, was die Sinne noch wahrnehmen können, das Meeresrauschen und die frische Brise sind.
Heutige Wildtiersichtungen: 1 Chinchilla, 60-100 Andenkondore